Arbeitskreise
Im Jahre 2004 jährte sich der Geburtstag des letzten Bürener Edelherren Moritz von Büren zum 400. Mal. Gleichzeitig feierte Büren in diesem Jahr den 250. Jahrestag der Grundsteinlegung der Jesuitenkirche. Mit dieser vom Mauritius-Gymnasium verfassten Dokumentation kann der Leser dieses ereignisreiche Jahr Revue passieren lassen. Da sind zunächst die Aktivitäten, die von der Schule ausgingen, wie der Jubiläumsfeier zum Geburtstag des Moritz in der Jesuitenkirche mit der Predigt des Erzbischofs Hans-Josef Becker, den Ansprachen der geladenen Honoratioren und dem Festvortrag durch Dr. Siegfried Rudigkeit. Es wird weiter berichtet von der Fahrt der gesamten Schüler- und Lehrerschaft zum Grab des Moritz nach Münster, außerdem von der Projektwoche im Mauritius-Gymnasium, die unter dem Motto "Leben im Barock" stand.
Über das Jahr verteilt gab es Ausstellungen und Vorträge, die sich mit Moritz von Büren und den Jesuiten befassten. Texte dieser Vorträge und Berichte von den Ausstellungen sind in der Dokumentation nachzulesen. Die weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, die in einem Fleyer zusammengefasst wurden, werden unter der Rubrik "Im Spiegel der Presse" dokumentiert. Beachtenswert ist weiter eine Wiedergabe der Facharbeit einer Schülerin des Mauritius-Gymnasiums über Ignatius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens.
Neben den vielen interessanten Texten enthält die Dokumentation eine große Zahl von Bildern in Farbe. Es wird u.a. dargestellt, was die Fachschaft Kunst im Jubiläumsjahr mit den Schülerinnen und Schülern der Schule geschaffen hat. Außerdem enthält die Schrift Abbildungen der 12 Gemälde, die im Mauritius-Gymnasium die Wände im großen Treppenhaus, der Aula und im Zimmer des Schulleiters schmücken.
Die Organisatoren des Jubiläumsjahres hatten es sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutung des Moritz von Büren für die Stadt und umliegenden Gemeinden transparent und erlebbar zu machen. Von Büren als "Moritz-Stadt" war in einem Zeitungsartikel die Rede. Die vorliegende Dokumentation kann helfen, dass wir das Andenken an Moritz von Büren wach halten. Wenn in 50 Jahren - die Jüngeren von uns werden es erleben - wieder einmal Jubiläum gefeiert wird, dann wird diese Schrift davon berichten, wie das Mauritius-Gymnasium und die Bürger von Büren ihr Jubiläum im Jahre 2004 gefeiert haben.
Der Heimatverein gibt in seiner traditionellen Reihe "Wir an Alme und Afte" ein weiteres Heft heraus - angesichts seines Umfangs von ca. 250 Seiten spricht man schon besser von einem Buch. Es trägt den Titel "Leben in und mit Baudenkmälern. Denkmalpflegerische Untersuchung der Altstadt von Büren." Es wurde ursprünglich von Tanja Loer als Abschlussarbeit für das Aufbaustudium Denkmalpflege verfasst. Hans-Josef Dören, ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte Bürens, hat es überarbeitet und aufgrund sorgfältiger historischer Recherchen in einigen Passagen wesentlich ergänzt und auf einen aktuellen Stand gebracht. Die Geschichte Bürens von einem von Mauern umschlossenen Ackerbürgerstädtchen bis zu einer expandierenden Stadt, in der sich Gewerbe und Dienstleistungen ansiedelten, wird eindrucksvoll nachgezeichnet. Dieses geschieht durch einen sehr informativen Text, vor allem aber durch einmalige historische Bilder aus dem Leben Bürens. Fotos von Straßen und Plätzen aus vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten werden solchen der Gegenwart unmittelbar gegenübergestellt. Veränderungen in Straßenverläufen, der Umbau, die Umfunktionierung oder der Abriss von Häusern - manchmal bedingt durch zerstörerische Brände - haben unübersehbare Spuren im Stadtbild Bürens hinterlassen. In historischen Blicken auf den Marktplatz, das Zentrum Bürens, bündelt sich die Verwandlung der Stadt. Für Menschen, die Büren vor 50 Jahren verlassen haben, wäre ihr Heimatort heute nicht mehr wiederzuerkennen. Dem Betrachter fällt u.a auf, dass sich auf den Straßen früherer Jahrzehnte mehr Leben abspielte als heute, vor allem mehr Kinder hielten sich hier auf und hochragende Bäume prägten das Bild. Alte Bauernhäuser und Traditionsgeschäfte mit Schildern, die über den Besitzer und sein Geschäft Auskunft gaben, sind zu sehen. Es geht in dem Buch nicht nur um eine baudenkmalhistorische Betrachtung der Stadt, sondern auch um das Leben, das sich in ihren Häusern abgespielt hat. An einigen Stellen des Buches werden ansatzweise Einblicke in Familiengeschichten gestattet.
Das Buch wird den Mitgliedern des Heimatvereins kostenlos zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus kann es für 8,00 Euro in der Buchhandlung "Lesezeichen" und im Bürgerbüro gekauft werden. Es ist eine gute Investition von bleibendem Wert!
Im Jahr 1932 bestellt die Stadt Büren auf Vermittlung von Prof. Dr. Alois Fuchs, Paderborn, bei dem in München arbeitenden Bildhauer Georg Kemper für einen geplanten Kreuzweg auf dem Friedhof vier Majolika-Reliefs, und zwar für die zweite, zwölfte, dreizehnte und vierzehnte Kreuzweg-Station. Die Finanzierung erfolgt aus dem Verkauf von Erbbegräbnisplätzen. Auf dem Friedhof aufgestellt werden in Stationshäuschen des Bürener Stein-Bildhauers Otto Bräutigam
- das Relief der dreizehnten Kreuzweg-Station auf dem Erbbegräbnisplatz Evers, heute noch vorhanden
- das Relief der vierzehnten Kreuzweg-Station auf dem Erbbegräbnisplatz Stolte, im Jahr 2000 von einem städtischen Arbeiter, der den Auftrag zur Einebnung der Gruft hatte, unwissentlich zerstört.
Aus der Akte des Stadtarchivs Büren ist nicht ersichtlich, warum der geplante Kreuzweg auf dem Friedhof nicht vollendet wurde. Der Verbleib der beiden weiteren Majolika-Reliefs ist bekannt. Ein neuer Bildstock mit dem Relief der zweiten Kreuzweg-Station ersetzt 1956 nach einer Planung von Stadtbaumeister Josef Klein einen baufälligen Vorgänger an der sogenannten Prozessionsecke Eickhoffer Straße / Bahnhofstraße und ist heute noch vorhanden.
Ortsheimatpfleger Bernhard Wolff entdeckt 1985 wenige Tage vor dem Abriss auf dem Dachboden des Rathauses Burgstraße 30 das Majolika-Relief der zwölften Kreuzwegstation und stellt es sicher. Jahrelang findet dieses Relief liebevolle Pflege bei Familie Gockel in der Siddinghäuser Straße. Am 30.3.1991 berichtet das Westfälische Volksblatt unter dem Titel "Verstoßenes Bildnis jahrzehntelang unbeachtet" über das Majolika-Relief. Im Zeitungsbericht wird vorgeschlagen, für das Relief einen gut einsehbaren Platz in der Öffentlichkeit zu finden. Heute befindet sich das Majolika-Relief bei den Eheleuten Maria und Walter Hollemann, Lönsstraße, und soll nach einem Vorschlag der Familie Hollemann seinen endgültigen Platz in einem Bildstock auf einer städtischen Grünfläche an der Einmündung der Gangolfstraße finden.
Der Künstler Georg Kemper, der die vier farbigen und ausgesprochen schönen Majolika-Reliefs für den Bürener Waldfriedhof erstellt hat, wurde am 20.11.1880 in Oelde (Westfalen) geboren. Während seiner Schaffenszeit in München wurde er zweimal mit der "Silbernen Medaille" der Akademie München ausgezeichnet. Er schuf eine Reihe dekorativer Plastiken in Bronze, Marmor, Majolika und Porzellan. Seine schönste und wertvollste Arbeit dürften die vierzehn Stationen des farbigen Majolika-Kreuzweges in Effelder (Südeichsfeld, Thüringen) darstellen. Von gleicher Ausführung - nach meinem persönlichen Eindruck farblich noch schöner - sind die Bürener Kreuzweg-Reliefs. Majolika ist eine Technik, in der vorgebrannte Töpfererzeugnisse in einen Glasurbrei getaucht, dann die Malfarben mit dem Pinsel aufgetragen werden und schließlich der Garbrand erfolgt. Eine besondere Herausforderung für den Majolika-Maler, denn bei der Saugfähigkeit des Grundes muss jeder Pinselstrich sofort richtig sitzen. Georg Kemper hat - offensichtlich beeindruckt durch Erlebnisse im 1. Weltkrieg - im Themenkreis der Passion eindrucksvolle menschliche Charaktere und Motive mit stark dramatischer Wirkung geschaffen. Faszinierend ist die Ausdruckskraft der Hauptpersonen und beeindruckend die brillante Farbgebung. Er verstarb am 15.3.1948 in seinem Heimatort. Die mit Effelder und Büren identische zwölfte Kreuzweg-Station schmückt die letzte Ruhestätte des Künstlers.
Wie geht Büren mit seiner Geschichte um? Vor mehr als siebzig Jahren ist das Majolika-Relief der 12. Kreuzwegstation nach Büren geliefert worden. Das es noch vorhanden und in einem tadellosen Zustand ist, verdanken wir engagierten Bürgern. Bereits in meinem Bericht über die gedankenlose Zerstörung der 14. Kreuzwegstation im Jahre 2000 (gedruckt im Stadtspiegel vom 2.12.2000, Heft 101, S. 32) habe ich die Frage aufgeworfen, ob nicht diese Zerstörung zum Anlass genommen werden sollte, endlich das verstoßene und jahrzehntelang unbeachtete Bildnis - die 12. Kreuzweg-Station von Georg Kemper - aufzustellen. Jetzt, wo ein passender Standort gefunden ist, sollte das Vorhaben nicht an den Finanzen scheitern.
Hans-Josef Dören
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Aus der Geschichte der Stadt Büren
von Hans-Josef Dören
Der Name Büren (Buranon) wird erstmals 1015 urkundlich erwähnt. Dabei handelt es sich um ein Dorf am linken Almeufer im Bereich der heutigen Flurbezeichnung "Bühl". Bemerkenswert ist die dem Hl. Gangolf geweihte Kapelle in unmittelbarer Nähe der AlmeFurt. Gründer dieser Kapelle dürfte im 9. Jahrhundert ein fränkischer Adliger gewesen sein. Das Patrozinium des Gangolf verweist auf eine Tränk- und Raststätte und trägt damit in auffälliger Weise zur Deutung des Ortsnamens Büren (bzw. Buranon) bei. Der Wortstamm "bur" deutet - wie ein Vergleich mit ähnlich benannten Orten nachweist - auf eine Herberge, eine Raststätte, eine Ansiedlung hin, deren Bewohner eine Versorgungsfunktion für den Fuhrwerks-Verkehr zu erfüllen hatten. An das Dorf Büren und die Gangolfskapelle erinnert heute ein Kreuz am Menkenberg.
Im 12. Jahrhundert treten im Gefolge der neuen weltlichen Amtswalter (Vögte) des Paderborner Bischofs, der Grafen von Schwalenberg, die Edelherren von Büren in die Geschichte ein. Über die Herkunft der Edelherren sind sich die Historiker nicht einig. Während sie für H. Schoppmeyer aus dem Ort Deifeld bei Medebach stammen, führt D. Pöppel sie in seiner Stammtafel auf den Grafen Siddag und den Sachsenherzog Widukind zurück. D. Schnell kommt in seinen Studien zu dem Ergebnis, dass sie ursprünglich im Raum des Reinhardswaldes im Großraum Hofgeismar sesshaft waren und in enger Verbindung zu Kloster Corvey standen. Ebenso wie die Grafen von Schwalenberg, denen sie als Vizevögte beigeordnet waren, zählen sie unbezweifelt zur Verwandtschaft des alten reichbegüterten um 1125 im Mannesstamm ausgestorbenen Grafenhauses von Itter. Um 1150 verschwägern sich die Edelherren von Büren mit dem bei Fürstenberg sesshaften, mächtigen Corveyer Ministerialengeschlecht von Vesperde. Um diese Zeit bauen sie am Zusammenfluss von Alme und Afte in unmittelbarer Nähe eines Fernhandelsweges zwischen Lippstadt und Warburg bzw. Marsberg eine Burg. In einem engen Verhältnis stehen sie zu den Grafen von Arnsberg. Als die Schwalenberger die Vogtei über das Bistum Paderborn 1193 endgültig verlieren, müssen sich die Edelherren von Büren neu orientieren. Einem Zug der Zeit folgend gründen die Brüder Berthold und Dietmar von Büren 1195 die Stadt Büren. Sie übertragen ihre Besitzungen in Büren an die Paderborner Kirche und erhalten im Gegenzug vom Bischof Bernhard II. die Bewilligung zur Stadtgründung, einen Zuschuss zu den Befestigungskosten, das Münz- und Zollrecht sowie verschiedene Zehnte. Die Verfassung der Stadt wird nach dem Lippstädter Stadtrecht ausgerichtet.
Diese Stadtgründung verfolgt politische Interessen. Im Bewusstsein ihrer räumlich-politischen Lage zwischen dem zunehmend rivalisierenden Fürstbistum Paderborn einerseits und dem Erzstift Köln (zuvor Grafschaft Arnsberg) andererseits finden wir unsere Edelherren sozusagen als Puffer zwischen beiden Parteien. Auch in der Folgezeit treffen wir sie einmal in Paderborner, ein andermal in Kölner Gefolgschaft. Eine abhängige städtische Bürgerschaft sichert sowohl den Schutz der Bürener Burg als auch die Einkünfte der Edelherren. Nach der Stadtgründung entstehen zunächst ca. 30 Hausplätze an der Südseite der Burg. Eine erste Erweiterung der Stadt erfolgt bis 1220. Der aufsteigende Rücken zwischen Alme und Afte wird durch drei genau in Nord-Süd-Richtung ziehende Parallelstraßen (heute Rosen-, Burg- und Königstraße) erschlossen, die wiederum durch Querstraßen verbunden sind. Zwei der dadurch entstehenden großen Gevierte reserviert man für die Kirche St. Nikolaus und den Markt mit dem Rathaus. Aus topografischen Gründen wird westlich und östlich der drei Straßenschienen das Stadtareal bis an die Geländekante der beiden Flusstäler erweitert. Die gesamte Anlage wird mit einer Mauer umfasst und durch sieben Türme und fünf Stadttore, ebenfalls mit Türmen befestigt, verstärkt. Davon erhalten sind heute der Nordturm und der Hegensdorfer Turm, auch Eulenturm genannt. 1252 spricht eine Urkunde von zwei Bürener Neustädten. Diese zweite Stadterweiterung - für die es noch weitere Hinweise gibt - könnte sich über die Fläche südlich der Oberen Pforte beiderseits des Weges nach Siddinghausen (heute: zwischen Bruchstraße und Schanze) erstreckt haben. Über die Gründe, warum diese zweite Vergrößerung Bürens nicht gelang, kann nur spekuliert werden.
Anfang des 14. Jahrhunderts erreicht die Macht der Edelherren von Büren ihren Höhepunkt. Mit Wünnenberg gründen sie eine weitere Stadt. Ihr umfangreicher Grundbesitz reicht von Altengeseke im Westen über das Sintfeld bis in den Raum Dalheim. Ein zweiter Besitzschwerpunkt liegt im waldeckschen Sauerland um Düdinghausen, Deifeld und Grönebach. Durch zahlreiche Rechte (Frei-, Gogerichts-, Vogtei-, Forst- und Kirchenpatronatsrechte) erreichen sie eine Stellung, die einer Landesherrschaft gleicht. Staatliche Funktionen nehmen sie am deutlichsten gegenüber ihren Städten wahr. In ihren Ministerialen besitzen sie eine eigene kleine Kriegsmacht. Doch durch ein fehlendes "Staatsbewusstsein", ständige Familienstreitigkeiten und ein gestörtes Verhältnis zur Bürener Bürgerschaft können sie sich letztlich dem übermächtigen Einfluss des Paderborner Bischofs nicht entziehen. Die Wewelsburger Linie der Edelherren muss ihren Anteil einschl. der Hälfte der Stadt Büren dem Bischof zunächst verpfänden und dann verkaufen. Damit hat die Bürener Bürgerschaft neben ihren Edelherren einen zweiten Stadtherrn: den jeweiligen Amtmann des Paderborner Bischofs.
Das Münzrecht und die Zolleinnahmen vor allem aus dem überörtlichen Fernhandel bilden die Grundlage, dass sich Büren sehr schnell von einer bäuerlichen zu einer handwerklichen und kaufmännischen Siedlungsgemeinschaft entwickelt. So sind im 13. Jahrhundert Bürener Bürger in Schuldbüchern des fernen Riga (Estland) zu finden. Schon sehr früh sind Juden in Büren ansässig. Nach einem Pogrom 1291/92, bei dem Edelherren und Bürger anscheinend gemeinsam gehandelt haben, erzwingt der Paderborner Bischof zur Sühneleistung den Bau der Sakramentskapelle. Das reiche Zunft- und Gildewesen der Stadt zeugt von regem Handel und Wandel. Als Beispiel sei hier die Katharienenbruderschaft von 1385 erwähnt, zu der alle gehörten, die nach Zirkel, Winkel und Richtholz arbeiteten. Aus Büren nicht wegzudenken ist die noch heute bestehende St.-Sebastian-Bruderschaft, deren Statuten aus dem Jahre 1490 stammen. Das im Stadtarchiv erhaltene Bürgerbuch von 1562 teilt die Stadt in eine Wester-, Mittel- und Osterbauerschaft. Schon 1568 ist eine Wasserleitung belegt. Das Wasser wird aus der Quelle am Peipenbusch (Richtung Hegensdorf) in Holzröhren zu drei, später fünf verschiedenen Wasserbehältern ("Kump") geführt.
Auch in der Folgezeit gehören die Edelherren von Büren zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern des Paderborner Landes. Zur Zeit der Reformation bekennen sie sich zum Kalvinismus und holen fremde Prediger in die Stadt und Herrschaft Büren. Damit ziehen sie sich natürlich den Unwillen des Paderborner Bischofs zu. Was aber kein Hindernis dafür ist, dass Bürener Edelherren zu Statthaltern des Bischofs bestellt werden. Der Dreißigjährige Krieg und später besonders der Siebenjährige Krieg fordern durch Einquartierungen und Abgaben große Opfer von der Bürener Bevölkerung. Ein dunkles Kapitel ist die Hexenverfolgung an Alme und Afte.
Als 1661 der letzte Bürener Edelherr Moritz stirbt, setzt er als Erben über die Herrschaft Büren den Jesuitenorden ein. Dies führt zu Streitigkeiten mit den Seitenverwandten des Erblassers und mit dem Paderborner Bischof. Die Familie von Schencking (Dorothea Margaretha von der Malsburg, verheiratet mit Wilhelm von Schencking ist eine Nichte des Moritz) erhält ein Drittel des gesamten Vermögens. Damit Volbrexen und Geist ungeteilt bleiben können, werden die Rechte an Büren und Ringelstein geteilt. Der Schencking'sche Anteil an der Herrschaft Büren wird 1692 an den Kurfürsten von Brandenburg verkauft und 1699 von den Jesuiten zurückerworben. Erst 1714 gelangen diese nach einer Einigung mit dem Paderborner Bischof in den unbeschränkten Besitz der Herrschaft Büren und üben alle Rechte aus, insbesondere auch die Gerichtsbarkeit. Als bleibendes Werk schaffen sie das Kollegiengebäude und die Kollegkirche Maria Immakulata, die noch heute das Stadtbild prägen. Durch die Auflösung des Jesuitenordens (1773) fällt der Besitz an den jeweiligen Landesherrn und ist heute als "Haus Büren'scher Fonds" ein Sondervermögen des Landes Nordrhein-Westfalen.
Die Säkularisation des Fürstbistums Paderborn (1802) bringt den Übergang an das Königreich Preußen. Die rechtliche Gleichstellung alle Bürger in der "Franzosenzeit" reformiert auch das Leben in Büren. 1816 wird Büren preußische Kreisstadt. 1825 kann im ehem. Jesuitenkolleg ein Lehrerseminar eröffnet werden. Nach der Auflösung 1925 findet hier eine Aufbauschule eine Bleibe, der nach dem 2. Weltkrieg das Mauritius-Gymnasium - über zwei Jahrzehnte wiederum von Jesuiten geleitet - folgt. Büren erhält ferner ein Amtsgericht und eine Taubstummenanstalt (heute Westfälische Schule für Gehörlose). Ein erweitertes und verbessertes Straßennetz, aber besonders der Bau der Eisenbahnstrecken nach Paderborn, Geseke und Brilon Ende des 19. Jahrhunderts schaffen beste Voraussetzungen für eine Wandlung der Ackerbürgerstadt zum Industriestandort. Ausgedehnte Sägewerke, große Zement- und Kalkwerke und die Fabrik von Berlep'schen Nistkästen setzen ihre Produkte im In- und Ausland ab. Eine Ziegelei mit Ringofenbetrieb, vier Wassermühlen und eine Brennerei arbeiten mehr für den lokalen Bedarf. Im Herbst 1908 wird das Elektrizitätsnetz fertiggestellt.
Die Einwohnerzahl steigt von 1.318 im Jahre 1818 über 2.000 (1839), 3.000 (1908) auf 4.012 (1939). Flucht und Vertreibung als Folge des 2. Weltkrieges lassen die Bevölkerungszahl auf 5.908 im Jahr 1946 hochschnellen. In den Folgejahren ist sie rückläufig, um sich bis 1975 auf 6.189 Einwohner zu erhöhen.
Durch die kommunale Neugliederung 1975 wird Büren mit den Gemeinden des Amtes Büren-Land = Ahden, Barkhausen, Brenken, Eickhoff, Harth, Hegensdorf, Siddinghausen, Steinhausen, Weiberg, Weine und Wewelsburg zur neuen Stadt Büren zusammengeschlossen. Büren verliert den Kreissitz, das Amtsgericht und weitere Einrichtungen. Die Anbindung der Stadt an das Autobahnnetz, der Ausbau des Regionalflughafens Paderborn-Lippstadt in der Ortschaft Ahden und die Ausweisung von Gewerbegebieten schaffen gute Standortbedingungen. Dabei ist die Struktur der Betriebe mannigfaltig. Sie umfasst z.B. Holzverarbeitung, Maschinenbau, Möbelherstellung, Kunststoffverarbeitung, Transformatorenfertigung, Schwerachsenproduktion sowie leistungsfähige Speditionen und Getreidespeicher. Das Bauhauptgewerbe ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt. Auch für die Zukunft sind die Weichen gut gestellt. Das Industriegebiet Büren-West und der Gewerbepark Flughafen bieten günstige Voraussetzungen für zukunftsorientierte Unternehmen. Die Stadt verfügt über zahlreiche Bildungseinrichtungen ("Stadt der Schulen"), alle erforderlichen Einrichtungen der modernen Daseinsvorsorge und bietet ihren Bürgern ein hohes Maß an Wohn- und Freizeitwert. Städtepartnerschaften bestehen mit Kortemark in Belgien unweit Brügge (seit 1981), Charenton in Frankreich nördlich von Paris (seit 1989), Baruth in Brandenburg (seit 1991) und mit dem österreichischen Mittersill (seit 1995). Heute hat die Stadt Büren auf einer Gemarkungsfläche von 170,92 qkm 23.100 Einwohner, davon 8.800 in der Kernstadt.
Im Jahr 1995 feiert Büren das 800-jährige Stadtjubiläum. Höhepunkt der Festlichkeiten ist eine Jubiläums-Festwoche mit einem "Bürentag" und einem Historischen Markt. 1997/98 erarbeitet und beschließt eine Standortkonferenz das Leitbild "Büren steht für hohe Lebensqualität" und eine Standortentwicklungskonzeption.
Verwendete Literatur:
Dieter Schnell, Aufsätze aus dem Buch "BÜREN - Einblicke in die historische Entwicklung", Heimatverein Büren e.V., 1994, und "Siddinghausen - die Entstehung eines Pfarrortes in der legendären und in der urkundlichen Überlieferung", in: Siddinghausen. Geschichte eines westfälischen Dorfes, 2000
Reinhard Oberschelp, Die Edelherren von Büren, 1963
Heinrich Schoppmeyer, Büren im Mittelalter, Westfälische Zeitschrift 138. Band / 1988, S. 193 - 209
Siegfried Rudigkeit, Moritz von Büren und die Übernahme der Herrschaft Büren durch die Jesuiten, Heft 3 der Schriftenreihe "WIR an Alme und Afte" des Bürener Heimatvereins, 1993
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Besuch der Ausstellung "Unter Dampf und Diesel bei Tag und Nacht..."
Heimatverein besuchte die Ausstellung zur Geschichte der Almetalbahn
Nicht ganz so viele wie erhofft waren der Einladung des Heimatvereins zum Besuch der Ausstellung "Unter Dampf und Diesel bei Tag und Nacht - Lebendige Geschichte der Almetalbahn" am 10.11.07 nach Wewelsburg ins Kreismuseum gefolgt, aber die, die es getan hatten, erfuhren von Norbert Ellermann einige sehr interessante Details zur Geschichte und besonders zum Ende der Almetahlbahn, die von Paderborn über Büren nach Brilon führte und von der heute nur noch die Teilstrecke von Büren nach Brilon existiert. Die interessant gestaltete Ausstellung glänzte mit vielen zusammengetragenen Exponaten zur Geschichte dieser Bahnstrecke. So begann der Rundgang durch die Ausstellung an einem wirklichkeitsgetreu rekonstruierten Fahrkartenschalter der Deutschen Bundesbahn mit Interieur. Weiter ging es an verschiedenen Vitrinen mit Originalschriften zu Genehmigung, Planung und Konstruktion der Eisenbahntrasse bis hin zu einem Modell des Tudorfer Viaduktes, das Modelleisenbahner aus Paderborn gebaut und zur Verfügung gestellt hatten. Sehr eindrucksvoll waren auch das Schrankenwärterhäuschen mit den Originaltönen beim Herablassen der Schranke sowie die wandgroßen Fotos vom Bau der Bahnstrecke bei Wewelsburg und vom Bahnhof in Wewer sowie die lebensgroßen Figuren mit Originalkleidung z.B. eines Stationsvorstehers oder eines Bahnarbeiters im 19. Jahrhundert. Im Wartesaal konnte der Besucher sich ein Video mit Original-Videoaufnahmen von Zügen auf der Almetalbahn Richtung Büren anschauen und seinen Erinnerungen nachhängen. Schön und mit mancher Anekdote von Norbert Ellermann gewürzt waren auch die Erinnerungen an den so genannten "Hecken-Eilzug", der von Bremen über Paderborn, Büren weiter nach Frankfurt fuhr und die Region Büren mit der großen weiten Welt verband. Alles in allem ist es eine gelungene und sehenswerte Ausstellung, die mit viel Liebe zum Detail erstellt und präsentiert wird. So sahen das auch die Besucher des Heimatvereins (u.a. Hans-Josef Dören, Franz-Georg Flott und Jürgen Kemper). Ein herzliches Dankeschön gebührt dem Organisator, Wilhelm Grabe, und dem Kurator dieser Ausstellung und Führer, Norbert Ellermann.
Büren, den 12. November 2007 | nach oben-
Vortrag "Führerauftrag Monumentalfotografie"
Heinrich Sprenger referierte über NS-Fotos von der Jesuitenkirche